Dienstag, 3. Januar 2017
Schneezauber
Es kann noch so kaputt, verfallen und dreckig aussehen, legt sich eine Schicht Schnee darüber, scheint alles friedlich, wunderschön und nur noch halb so kalt.
Perfekt Unperfekt
Ich verbrachte die Weihnachtszeit bei meiner Familie in meinem kleinen Heimatdorf. Und wie jedes Jahr stand am Heiligen Abend die Kirche auf dem Plan. Als Nicht-Mutti des Mutti Chores, durfte ich den Weihnachtsgottesdienst von oben genießen....und es war das perfekt Unperfekte, was ich genoss.
Bloß gut gab es Menschen die Pläne machten! Bloß gut gab es Menschen, die von Plänen abweichen konnten!
Ich ging nun seit über 10 Jahren einmal jährlich zum heiligen Abend in die Kirche und soweit meine Erinnerungen reichten, sah die Kirche noch immer so aus, wie zu der Zeit, als ich als kleiner Verkündigungsengel des Krippenspiels selbst dort unten den Hirten stolz die frohe Botschaft übermittelt hatte.
Hier und dort war die Kirche etwas älter, knarrender und mit ein paar Wasserflecken mehr an der Decke geworden. Aber grundsätzlich war die Kirche am Heiligabend noch immer kalt, der Weihnachtsbaum mit der gleichen Deko geschmückt und die Kanzel noch immer knarzend wie vor 12 Jahren. Halt Stopp...Eine Veränderung hatte es gegeben. Man hatte das Feuer der Kerze (die ich als kleiner Engel stolz getragen hatte) gegen ein LED Teelicht ausgetauscht.
Heiligabend war jährlich der Moment, in dem Alt auf Neu traf.
Neben mir war eine enorme Menge an Technikkram aufgebaut, von dem ich nicht einmal einen einzigen Knopf erklären konnte. Es gab 2 Gründe für dieses Übermaß an Technik jährlich an einem einzigen Abend in unserer kleinen Dorfkirche.
Grund 1: Vor einigen Jahren hatte man (endlich) die Idee gehabt, allen Mitwirkenden ein Mikro zu verpassen, um dem stummen Gottesdienst Stimme zu schenken. All die Jahre davor war man in die Kirche gegangen, um 1 Stunde ein stummes Krippenspiel anzusehen (bzw. eher die Kostüme zu betrachten), ein Orgelspiel zu hören und den Tannenbaum zu bewundern (der eigentlich auch jedes Jahr gleich aussah). Und nebenbei den Versuch zu starten, natürlich nur wenn man einen Platz in einer der vorderern Reihen ergattert hatte, etwas von den Lippen der sprechenden Personen abzulesen.
Grund 2: Orgelspieler gesucht! Bis jemand gefunden war, gab es die Weihnachts-Orgel-Musik vom Band. Schon das 2. Jahr fragte ich mich, wie viele der älteren Leute da unten wohl an die wahre Orgel Musik von hier oben glaubten. Zwar war das Orgelspiel von der CD keineswegs vergleichbar mit dem davor, aber man wusste ja nie. Die Jahre zuvor gehörte zum Weihnachtsgottesdienst nämlich ein ordentlich mit Patzern und mehr oder weniger gewollten Improvisationseinlagen geschmücktes (live) Orgelspiel.
Um einen reibungslosen Ablauf des Gottesdienstes zu gewährleisten, hatte man den Technikern natürlich einen Plan gegeben, wann welches Lied gespielt werden musste, wann welches Mikro an und wann welches Mikro aus sein musste.
Freundlicherweise hatte man auch dem Mutti-Chor einen Plan gegeben, wann gesungen werden sollte und wann nicht gesungen werden sollte.
Und zum Glück saß auch unten jemand, der den Ablauf ganz genau kannte und wusste, wann welches Lied gespielt werden sollte, wann der Chor singen sollte und wann wer sprechen musste.
Bloß gut gab es Menschen die Pläne machten!
Wenn dann auch noch jeder den gleichen Plan gehabt hätte, wäre es optimal gewesen. Aber zum perfekt Unperfekten gehörte natürlich kein einheitlicher Plan, sondern unterschiedliche Anweisungen.
So kam es, dass in dem Moment, in dem der Knopf für ein Orgelzwischenspiel gedrückt wurde zeitgleich der Chor anfing zu singen... Panisch drehten die Techniker die Musik wieder ab. "Auf unserem Plan steht wir sollen jetzt das Lied spielen" "Uns wurde vorhin gesagt wir sollen jetzt singen" Was passiert, wenn das Lied, was in einem Plan für später vorgesehen ist, auf dem anderen Plan planmäßig, aber schon gesungen wurde? Genau, es entsteht Stille. Dann nimmt man halt das Lied, was im einen Plan schon vorgesehen, aber nicht gespielt wurde für die Leerstelle. Kompliziert, aber irgendwie klappts halt. Nach der zweiten Planabweichung hörten die Techniker dann auch auf, verzweifelt mit den Schultern zu zucken und warteten nur noch auf Stellen, die Leerstellen sein könnten, um dann ein Lied, was irgendwo mal auf dem Plan festgehalten worden war, zu spielen.
Nach dem Krippenspiel der Kinder, begann der Pfarrer mit seiner Predigt. Sein Interesse gab ein kleines Kind gleich zu Beginn kund. (Kleine Erinnerung: Um alles besser zu hören, hatte man die Krippenspielkinder ja mit Mikros ausgestattet. Betonung hierbei auf ALLES.) Gääääääähn. (Ja, auch ein herzliches Gähnen)
Und weil es so schön ehrlich war, schenkte man der Gemeinde noch ein paar ehrliche Kinderworte zum Schluss.
"...ich bitte Sie sich dazu zu erheben" Das darauffolgende "Och nööö" von Herzen zauberte Vielen in diesem Weihnachtsgottesdienst ein Lächeln ins Gesicht.
Menschen werden älter. Sind die Menschen älter geworden, hören sie beispielsweise auf einen Chor zu leiten. Und hört jemand auf den Chor zu leiten, ist der Rest auf einmal auch zu alt zum singen. Deshalb Notlösung: der Mutti-Chor, bestehend aus Muttis der Krippenspielkinder und Nicht-Muttis, wie mich. Als kleine Info am Rande, der Notfall-Chor konnte mit dem vorherigen Chor locker mithalten.
Es war das erste Jahr, dass ich am Heiligabend ein zweites mal die Kirche besuchte, weil der Muttichor auch zum nächtlichen Gottesdienst noch einmal singen sollte. Dass das nichts mit dem Standardgottesdienst zu tun hatte, wurde mir schnell klar. Schneller als ich gucken konnte, hatte ich ein Glas bzw. einen Pappbecher mit Sekt in der Hand. Prost! Auf das Jesus Kind!
Die gesamte Technik war nun verräumt und wurde durch EINEN Ghettoblaster ersetzt, der auf der zugeklappten Orgel stand. Natürlich auch zu abendlicher Stunde Fake-Orgelmusik (diesmal sogar mit singendem Chor) aus einem Ghettoblaster! Diesmal mit einem Plan, auf dem fein säuberlich aufgeschrieben war, nach welcher Spielzeit die CD gestoppt werden sollte. Das Krippenspiel, diesmal von Erwachsenen gespielt, perfekt: Hirten mit Berliner Akzent auf flauschigen Schaukelpferdschafen reitend, ein betrunkener Wirt und der kräftigste Mann im hautengen, weißen Outfit, mit Tutu und Goldlöckchen als Engel. 4 Zeilen hätte er sprechen müssen. Doch jeder brüllte vor lachen: Er selbst, die Gemeinde und am lautesten die Muttis neben mir.
Die gesamte Technik war nun verräumt und wurde durch EINEN Ghettoblaster ersetzt, der auf der zugeklappten Orgel stand. Natürlich auch zu abendlicher Stunde Fake-Orgelmusik (diesmal sogar mit singendem Chor) aus einem Ghettoblaster! Diesmal mit einem Plan, auf dem fein säuberlich aufgeschrieben war, nach welcher Spielzeit die CD gestoppt werden sollte. Das Krippenspiel, diesmal von Erwachsenen gespielt, perfekt: Hirten mit Berliner Akzent auf flauschigen Schaukelpferdschafen reitend, ein betrunkener Wirt und der kräftigste Mann im hautengen, weißen Outfit, mit Tutu und Goldlöckchen als Engel. 4 Zeilen hätte er sprechen müssen. Doch jeder brüllte vor lachen: Er selbst, die Gemeinde und am lautesten die Muttis neben mir.
"Ich glaube irgendwie der Mutti-Chor muss jetzt singen" winkte er kaum verständlich vor lachen mit Tränen in den Augen ab, bevor er seine 4 Zeilen beendet hatte!
Ebenfalls mit Tränen in den Augen und zahlreichen nicht enden-wollenden Lachanfällen sollte dieser gickernde Haufen neben mir nun singen...
Zeitplan ade! Ach was, welcher Zeitplan eigentlich? Hier läuft alles
Perfekt Unperfekt!
Abonnieren
Kommentare (Atom)